Corona-Pandemie und die Kleinkunst / Poetry Slam

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Die Reaktionen auf die Corona-Pandemie überschlagen sich, und jeden Tag gibt es neue Informationen, Vorgaben und Verbote zu Veranstaltungen und Versammlungen. Aktuell sind selbst kleinste Shows der Poetry Slam und Kleinkunst-Szene vom Lockdown betroffen.

Auch wir Kiezpoeten spüren die Auswirkungen bereits: Viele Auftrags-Veranstaltungen und Workshops, die unser Kollektiv am Leben halten und einen großen Teil unserer Kulturarbeit querfinanziert, wurden abgesagt. Die großen, profitabelsten Veranstaltungen trifft es zuerst. Aber wer weiß: Schon morgen könnte auch die kleinste Show abgesagt werden müssen.

Wir verfolgen die Sachlage stündlich und erwägen für den Einzelfall, welche Show wir absagen müssen. Je nachdem, wie lange diese Einschränkungen gelten, werden es harte Tage – nicht nur für uns, sondern für viele Künstler und Künstlerinnen aus der Poetry Slam- und Kleinkunst-Szene.

Wie stets richtet sich dieser Blog gleichermaßen an Auftretende und Zuschauer, deshalb hier eine kleine Übersicht für beide, was ihr tun könnt:

Was Zuschauer in Corona-Zeiten tun können

Auch wenn eine Veranstaltung noch stattfindet: Geht nur dorthin, wenn ihr 100% gesund seid und nicht in Kontakt mit potentiell infizierten Personen oder Regionen wart. Irgendwann ist die Lage durchstanden, und wir versprechen euch, dann wieder zu veranstalten – holt euer Kulturbedürfnis dann nach!

Wie Zuschauer die Kunst während Corona unterstützen können:

Corona-Support für Kleinkunst und Slam

  1. Kauft Bücher & Merch

    Damit helft ihr den Künstler*innen, trotzdem noch ein bisschen etwas zu verdienen, auch ohne Auftritte. Kauft sie direkt Online bei den Künstler*innen, das bringt ihnen mehr, und es kommt per Post schnellstens zu euch. Plus ihr habt während der Selbst-Quarantäne was zu lesen. Zum Beispiel unsere Anthologie.Kiezpoeten Anthologie Buch

  2. Verschieben statt Stornieren

    Viele Veranstaltungen werden entweder nur verschoben oder finden zum nächsten regelmäßigen Termin statt. Statt dein Geld zurückzufordern, kannst du einfach das Ticket behalten und zur Folgeausgabe hinkommen. Bei manchen stornierten Events schicken wir mit den Stornierungen auch gleich einen Rabattcode für Alternativ-Events mit. Du hattest das Geld doch eh verplant. Wenn du noch kein Ticket hattest – kauf dir gleich ein VVK-Ticket für eine Show, die sicher in der Zukunft liegt, das gibt uns Veranstaltenden Planungssicherheit. (Super Absage-Sicher ist auch unser Geschenkpaket, weil das flexibel einlösbare Gästelistenplätze hat 🙂 )

  3. Buche Künstler für Sonder-Anlässe

    Ob du in einem Unternehmen oder einem Verein arbeitest und eure Sommerfeier planst, oder deinen privaten Geburtstag: Nach der Pandemie geht das Leben weiter, und eine erhöhte Auftragslage hilft uns allen dann, unsere Jahresbilanz wieder aufzubessern. …außerdem werden unsere Kalender gerade wieder frei zum Schreiben von Thementexten 🙂 Wer uns während der Corona-Pandemie für einen späteren Anlass mit dem Betreff „Rettungspaket Corona“ bucht, kriegt deshalb 10% Rabatt.

  4. Nutzt die Zeit für Support

    Wenn ihr in Quarantäne mit viel Zeit sitzt: Schreibt dem Kultusministerium, dass ihr Hilfspakete für kleinteilige Kultur genauso wichtig findet wie für die Banken. Spreaded Videos und Content auf Social Media von euren Lieblingskünstler*innen – da können wir uns zwar kein Klopapier von kaufen, aber mehr Sichtbarkeit ist gut!

  5. Digital-Slam!

    Vielleicht gibt es bald eine Übergangslösung: Einen Digital-Slam auf Twitch! Mit Tickets, die euch einen Livestream-Link zugänglich machen, bringen wir euch dann die Show ins Corona-quarantänisierte Wohnzimmer. Die Planungsarbeit daran läuft noch, mehr Infos erfährst du über unseren Facebook- und Instagram Kanal. Bis das steht, könnt ihr uns und die Berliner Künstlerschaft schon mit dem Kiezpoeten Support Ticket unterstützen!

Was Poetry Slammer*innen während des Corona LockDown tun können

Wir wissen, wie bitter das für euch gerade ist – aus eigener Betroffenheit. Man könnte jetzt sagen „endlich wieder Zeit, einen neuen Text zu schreiben“, aber da hat man begrenzt Muße zu, wenn man sich um sein Konto sorgt. Was ihr auf jeden Fall tun solltet, ist alle eure Verdienstausfälle dokumentieren!

Wie Künstler*innen Corona durchstehen:

Kosten reduzieren

Eure bereits gekauften Bahnkarten könnt ihr (auch Sparpreise!) stornieren, wenn der Anlass durch Corona entfällt. Darüberhinaus gilt: Social Distancing spart immerhin einen Teil eurer Ausgaben. Kocht günstig selbst, kündigt unnötige Abos, dichtet eure Fenster ab. Natürlich, kein großartiger Vorschlag. Aber Kosten sparen ist immer noch die schnellste Methode um kurzfristige Einnahmenverluste auszugleichen. Wenn ihr in der KSK seid, passt eure Verdienstmitteilung an, das spart euch Beiträge!

Ausfallgagen erbitten

Besonders institutionelle Auftraggeber haben eventuell ohnehin schon die Gelder verplant. Wenn ihr es nicht bereits ausgehandelt habt: Fragt, ob eine Ausfallgage möglich ist. Im Zweifel: Bietet eine volle Anrechenbarkeit bei zukünftiger Buchung an, und versucht gleich, einen Ersatztermin festzumachen.

Preist euer Merch an

Wenn ihr Bücher veröffentlicht habt, ist jetzt die Zeit, sie ans Publikum zu bringen. Überweisung, Päckchen, fertig.

Nutzt die Zeit zur Akquise

Das hilft zwar nicht akut, aber für ein finanziellen Aufholen nach dem Lockdown: Fragt befreundete Veranstalter, schreibt ehemalige Auftraggeber an, bringt euch ins Gedächtnis. Das ist aufwändig, und manchmal kommen nur kleine Aufträge oder Auftritte dabei heraus – aber besser als nichts.

Nutzt staatliche Unterstützung

Wenn ihr am Existenzminimum steht, seid euch nicht zu schade, staatliche Sozialhilfe anzufragen. Und zögert nicht zu lange, denn der Beantragungsprozess kostet zusätzliche Zeit, in der ihr mittellos seid. Versucht es außerdem mit dem Sozialhilfefonds der VGWort!

Weicht in Corona-sichere Branchen aus

Mehrere Standbeine können euch über eine lange Durststrecke bringen – sei es als Copywriter oder Bürohilfskraft. Es gibt viele Home-Office-Jobs auch auf Honorarbasis. Supermärkte und Pflegeheime suchen gerade massiv kurzfristige Hilfen!

Leiht euch Geld bei uns

Wenn es gar nicht geht und ihr akuten Notstand habt, unterstützen wir Kiezpoeten euch als Teil der Slamily gerne. Schreibt uns an und lasst uns wissen, wie wir euch helfen können. Wir haben zwar leider kein Geld zu verschenken, aber wir können euch was leihen, das ihr dann über die nächste Saison an uns zurückzahlt. Eine Hand wäscht die andere. Das finanzieren wir übrigens u.a. aus dem „Kiezpoeten Support Ticket“ – hilf uns also und spreade das noch weiter!

Durchhalten, Freunde.

Es ist eine Feuerprobe auf Zeit. Die Krise wird nicht ewig währen, und wenn sie vorbei ist, kommen das Publikum kulturhungrig zu unseren Shows zurück, und die Auftraggeber*innen vermutlich auch.

Wir haben in den letzten Jahren das Glück erfahren, mehr und mehr von unserer Kunst leben zu können – das geht nicht allen Künstler*innen so. Dass das nicht leicht ist, das wussten wir (hoffentlich) von vornherein. Verzweifelt nicht. Es wird wieder aufwärts gehen.

Wir schaffen das.