Von der Idee zum Slamtext schreiben

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In unserem ersten Beitrag zur Ideenfindung haben wir dir ein paar Tipps gegeben, wie du die richtige Idee für deinen Poetry Slam Text findest. Jetzt weißt du vielleicht schon, was du gerne auf eine Bühne bringen möchtest – aber wie?

Um einen Slamtext zu schreiben, brauchst du vor allem zwei Dinge: Motivation und Zeit. Ein Poetry Slam Text braucht Arbeit, und du wirst dich immer wieder auch an einen vermeintlich fertigen Text setzen, um weiter an ihm zu feilen und ihn zu verbessern.

In diesem Blog-Beitrag zeigen wir dir ein paar Basis-Tipps, wie du zu deinem Slamtext kommst. Wenn du mehr lernen willst, und auch persönliches Feedback zu deinen Ergebnissen bekommen willst, empfehlen wir dir unseren Online Poetry Slam-Kurs.

Im Schreibprozess deines Poetry Slam Texts durchläufst du vier Schritte:

  1. Kreativ Losschreiben
  2. Dramaturgisch-inhaltlicher Aufbau
  3. Haupttext schreiben
  4. Stil und Form überarbeiten

Kreativ Losschreiben

Erstmal musst du einfach loslegen. Schalte deinen inneren Kritiker aus und lege los. Auch wenn du zum Beispiel eigentlich gerne Lyrik schreiben willst – wenn die Reime nicht von selbst fließen, beginn erstmal in Prosa. Du kannst es nachher immer noch ändern.

Dieser erste Schritt ist dafür da, deinen Ideen und deiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Dabei wird viel entstehen, das du später wiederverwenden kannst. Aber auch sehr viel, dass du zweifellos löschen wirst. Das ist okay: Wir müssen erstmal alle Hürden einreißen, bevor wir sie aufbauen.

Dramaturgischer Aufbau

Als nächstes verleihst du deinem Text Struktur. Mit einem Spannungsbogen ziehst du die Aufmerksamkeit des Publikums mit dir mit. Du baust eine Spannung auf, die du zum Schluss des Textes wieder lösen kannst. In diesem Schritt stellst du dir auch Fragen wie:

  • Welche Beziehung baut das Publikum zu meinen Charakteren und meinem Inhalt auf?
  • Was ist das Problem, was uns im Kern beschäftigt?
  • Wie löst es sich auf?
  • Wie steige ich inhaltlich und stilistisch in den Slamtext ein?
  • Mit welchen letzten Zeilen möchte ich in Erinnerung bleiben?

In unserem Online-Workshop lernst du auch in einzelnen Übungen, wie du dir diese Schritte vereinfachen kannst, indem du dich auf einzelne Ziele der Slamtext-Abschnitte konzentrierst.

Wenn du erstmal in unseren Workshop hereinschnuppern willst, kannst du in einer kostenlosen Lektion mehr dazu lesen, wie wichtig die ersten und letzten Sätze deines Textes sind:

Haupttext schreiben

Wenn du die nötige Struktur hast, kannst du diese mit deinem eigentlichen Inhalt ausbauen. Auch hier ist es sinnvoll, Schritt für Schritt vorzugehen. Knöpf dir jede Struktureinheit deines Poetry Slam Texts vor und füttere ihn mit Inhalt. Verlier dabei den Roten Faden nicht aus den Augen: Worum geht es dir eigentlich?

Mach nicht den Fehler, an diesem Schritt aufzuhören: Noch ist dein Text nicht wirklich fertig. Wenn die dramaturgische Struktur dein Bau-Gerüst war, hast du jetzt ein Haus gebaut. Aber die Wände sind noch roh, die Türen nicht eingehängt und die Einrichtung ist bestenfalls spartanisch. Man kann darin wohnen, man versteht worum es dir geht. Aber es ist noch nicht schön, nicht wohnlich. Keine Heimat. Das machst du im vierten Schritt.

Stil und Form überarbeiten

Wenn du ein Profi bist, hast du schon im dritten Schritt mit einigen Stiltechniken gearbeitet. Aber auch dann bist du nicht gefeit davor, in der Eile des ersten Flusses nur „irgendeine Wandfarbe“ für dein Haus verwendet zu haben. Wo bleiben die Bilder? Der Teppich auf dem Boden?

Sei es Humor oder Reim, Metaphern oder Metrik: Stilmittel sorgen dafür, dass sich dein Poetry Slam richtig anfühlt. Die Form unterstützt den Inhalt, lässt ihn im Gedächtnis bleiben und ins Herz eindringen. Das macht den Unterschied zwischen einem Bühnenmonolog und einem Kunstwerk.

In unserem Online Workshop lernst du, wie man Stilistik und Humor nutzen kann, um deinem Text den Schliff zu verleihen und nicht nur einfach irgendeinen Slamtext zu schreiben. Natürlich ist das eine Skala mit offenem Ende: Auch Poetry Slammer*innen die seit Jahrzehnten schreiben, finden noch immer weitere Techniken, um ihren Stil zu verbessern.

Das ist nicht zu unterschätzen – deshalb wird es in Zukunft auch noch einen eigenen Blogbeitrag nur zu Stilistik geben.

Lass dich nicht einschüchtern

Trotz allem: Niemand ist beim ersten Mal perfekt. Wenn du auf einem Slam auftreten willst, musst du noch nicht den perfekten Slamtext haben. Jeder verbessert sich mit der Zeit, und es ist völlig in Ordnung, dass es noch nicht optimal ist. Lass dich also nicht einschüchtern von den Meisterwerken des Spoken Word, die mit dir auf der Bühne konkurrieren. Aber du möchtest ja schließlich mit deinem Auftritt selbst zufrieden sein, wenn du damit auf die Bühne gehst. Keine Sorge: Das wirst du. Wenn du dir nur genug Zeit dafür nimmst.