Wie man einen Poetry Slam Text schreibt: Die Idee

Wie entsteht eigenglich ein Poetry Slam Text? Im 1. Teil unseres Online-Workshops erklären wir dir, wie du dazu kommst, eine gute Idee für deinen Poetry Slam Text zu finden.

Teil 1: Poetry Slam Ideen-Findung

„Das gleichmässige Klackern der Tastatur dringt durch die Nachtluft wie ein stetiger, bestimmter Herzschlag. Finger fliegen, wie von einer unsichtbaren Macht bestimmt, wie im Wahn, in ständig wechselnden Bahnen über die Buchstaben.
Durch das offene Fenster zieht ein sanfter Hauch ins Zimmer, der nach Wunder riecht, die Vorhänge wundersam tanzen lässt und in der Nase kribbelt.
Als ich das Kitzeln der ersten Sonnenstrahlen in meinem Nacken spüre, setze ich einen Punkt, lehne mich in meinen Sessel zurück, und nehme einen bedächtigen Schluck aus meinem Glas Rotwein.
Aus meinen Gliedmaßen steigt ein silbriger Nebel auf. Aus meinem Körper sickert er wabernd und wogend, bis schließlich eine durchsichtige, neblige Gestalt in meinen Schoß gebettet ist.
Ihre Umrahmungen scheinen unscharf. Sie streichelt zärtlich den vollgeschriebenen Bildschirm, wendet sich noch einmal um, gibt mir einen letzten leidenschaftlichen Kuss, und verschwindet mit einem geräuschlosen Brausen durch das offene Fenster.
Erschöpft aber glücklich schaue ich der Muse nach. Wir werden uns hoffentlich bald wiedersehen.
Mein letzter Blick fällt auf ein weiteres in die Welt gesetztes Meisterwerk. Doch mehr als ein Lächeln bringe ich nicht mehr zustande, und langsam schlafe ich ein…“

Menschen, die selbst nicht schreiben, haben oft eine sehr romantische Vorstellung davon, was es bedeutet „AutorIn“ zu sein.
Wir gehen gedankenverloren durch verwunschene dunkle Straßen und beten den Mond an.
Wir sitzen mit Gläsern voller Wein oder Cognac am knisternden Kaminfeuer und kritzeln mit einer überdimensionierten, bunten Vogelfeder auf Pergament.
Wir sitzen in eine Decke gewickelt, mit dampfendem Kaffee und dem Laptop auf der Couch.
Solche Szenen gehen in den Köpfen ab, denen du gerade erzählt hast, dass du schreibst.
Musst du das also sowas erleben, um Schreiben zu können?
Vielleicht fängst du gerade erst damit an, und weißt noch nicht, wie.
Für Menschen, die sich neu ans Schreiben heranwagen, wirken diese Bilder vermutlich einschüchternd.

Darum möchte ich mit diesem Mysterium einmal ein wenig aufräumen.
Wo kommen also die Texte her?
Warum scheinen manche Menschen solche kreativen Genies zu sein?
Und wie schreibt man eigentlich so einen (Poetry Slam-) Text?

Wo kommen die Ideen her?

Es gibt diese eine Frage, die jeder Mensch der jegliche Form von Kunst erschafft zu hören bekommt: Wo kommen eigentlich deine Ideen her?

In meiner Arbeit mit Jugendlichen höre ich auch ständig Sätze wie: „Nein ich kann das nicht, ich bin doch total unkreativ!“ oder auch „Ich weiß garnicht wie das geht.“

Die erste Sache, die viele AutorInnen, oder die, die es werden wollen im Anfangsstadium beschäftigt, ist die Suche nach Ideen.
Was muss ich tun, damit ich auch so fantastische Ideen habe wie X?
Hier breche ich gleich mal mit einer Illusion:
Die Muse wird nicht zu dir kommen!
Es kommt nicht spontan die ultimative Eingebung, dein Kopf explodiert vor Ideen, und alles was du tun kannst, ist es runterzuschreiben.
In den meisten Fällen ist auch Kreativität erst einmal Arbeit.

Ich verspreche dir: Egal ob es sich um J.K. Rowling, Goethe oder den kleinen Timmi von nebenan handelt. Niemand wacht morgens auf, und hat aus dem Nichts eine brilliante Idee.

Gute Ideen sind so eine spannende Sache, weil niemand so genau weiß, wo sie herkommen. Du kannst sie selten erzwingen, so gut wie nie aus dem Hut zaubern, und wirst sie nur ganz ganz selten auf der Straße herum liegen finden.
Wenn du also Zuhause auf deinem Bett liegst, die Raufasertapete anstarrst und darauf wartest, dass irgendwann eine Idee eintrifft, dann muss ich dich enttäuschen.

Heißt das jetzt aber, dass man nichts dafür tun kann? Nein.

Was kann ich tun, damit ich Ideen habe?

Wusstest du, dass J.K. Rowling über Jahre hinweg immer im selben Café saß und an ihren Notizen herum gekritzelt hat? Wenn du mal in London bist und auf dem Friedhof gegenüber spazieren gehst, werden dir einige Namen erstaunlich vertraut vorkommen.

Wusstest du, dass Goethe unglaublich gerne in der Natur spazieren gegangen ist? Nicht nur zu Ostern, und nicht nur dieses eine Mal. Wenn er eine Idee brauchte, ist er ausgiebig im jeweiligen Schlossgarten flaniert.
(Oder er hat sich so lange zu viel Wein hinter die Binde gekippt, bis er schreiben konnte)

Die meisten Leute halten Kreativität für einen Blitz, der plötzlich einschlägt. Und ich kann es ihnen nicht verübeln, denn manchmal fühlt es sich wirklich so an.
Aber in Wahrheit ist Kreativität ein Prozess. Ein langsamer, und oft unbewusster Prozess.
Harry Potter ist nicht entstanden, weil seine Autorin in einem Café gesessen hat. Schön sichtbar für alle. Nein.
Eine der einflussreichsten Jugendreihen unserer Zeit ist dadurch entstanden, dass eine junge Frau jeden Tag wieder und wieder dasaß, und an ihm weiter gearbeitet hat.
Klingt nicht mehr so magisch und glorreich, ich weiß.

Was ich dir mitgeben möchte, ist ganz einfach:
Lass dir Zeit. Aber nimm dir die Zeit.

Jede Idee braucht ihre Zeit um zu entstehen, zu wachsen und sich zu formen. Das heißt jedoch nicht, dass du dich jetzt zurück lehnen und warten sollst. Wenn du möchtest, dass aus deiner kleinen Idee etwas wird, gibt es einiges, was du tun kannst.

Was tun mit meiner Idee?

1.) Formulier sie aus.

Ich weiß, auch ich bin schreibfaul und schreibe mir nicht alles auf, was ich so im Kopf habe.
Trotzdem ist das schlichtweg die beste Möglichkeit, um Struktur in deine Gedanken zu bringen.
Du hast eine Frage, die dich beschäftigt? Einen Gedanken, den du nicht ganz bis zum Ende verfolgen kannst? Eine Figur im Kopf, aber weist nicht, was mit ihre passieren soll?
Schreib es auf.
Ignoriere erst einmal, dass Dinge fehlen werden, oder es vielleicht auch nur Notizen oder sogar nur ein Satz auf einem leeren Blatt ist. Was geschrieben steht, steht. Das ist für deinen Kopf ein wichtiger Schritt.
Das klingt vielleicht paradox, aber Grenzen und Regeln sind ein ungemeiner Antrieb für die Kreativität.
Nicht zu viele. Aber Einschränkungen zwingen deinen Kopf, auf neuen Wegen zu denken und neue Lösungen zu finden. Alles was du aufschreibst, wirkt für deinen Kopf erst einmal final. Damit erlöst du deinen Kopf davon, sich alles merken zu müssen, und kannst dich darauf konzentrieren, den nächsten Schritt zu machen.
(Und Pssst: ändern kann man immer noch. Aber dazu später mehr)
Also: Schreib deine Idee auf!

2.) Raus mit dir

Ja, ich weiß, dass gerade auf Netflix die nächste Staffel von Irgendwas rausgekommen ist, dass dein Abwasch gemacht werden müsste, oder dass das Wetter draußen echt schrecklich ist.
Es geht mir auch gar nicht um den Aspekt der frischen Luft.
(Auch wenn du davon echt mehr vertragen könntest, gibs doch zu!)
Nein, es geht mir um den Tapetenwechsel.
Stell dir Kreativität wie einen Eimer voller alter Buntstifte vor. Der steht bei dir im Schrank, weil du dich nie überwinden konntest ihn wegzuschmeißen, denn schließlich malen die Kinder ja ganz gerne mal damit, wenn sie da sind.
Wenn in diesem Eimer lediglich 3 verschiedene Farben sind, werden alle Bilder, die sie dir malen, recht ähnlich aussehen. Egal was sich die Kinder alles ausdenken.
Pack doch hin und wieder mal neue Stifte hinein.
Du kennst deine Nachbarschaft vermutlich gut und denkst, dass es nichts mehr zu entdecken gibt.
Geh spazieren und nimm mal die Straßen, die du sonst nicht benutzt.
Schau dir die vorbeilaufenden Menschen mal genauer an.
Setz dich in ein Café, in dem du noch nie warst.
Du musst nicht nach Australien fahren, und Bungeespringen oder mit wilden Tieren kuscheln, um etwas Neues zu sehen.
Aber zwing dich mal ein bisschen aus deiner Komfortzone.
Und wenn das nur bedeutet, in dem Wikipedia Artikel den du gerade liest, noch einen weiteren Link an zu klicken, und dann noch einen, und dann noch einen …
Also: Füttere deine Idee!

3.) Mach den Kopf frei

Das ist der vermutlich schwerste Part. Dein Handy wird klingeln, deine Mutter will irgendwas von dir.
Dann ist da noch diese eine Sache, die du erledigen musst, die ständig an deinem Gewissen nagt, und wo wir schon dabei sind, erinnerst du dich an das super peinliche Ereignis in der 8. Klasse?
Wir sind es in dieser schnellen und hektischen Gesellschaft nicht mehr gewohnt. Also wirst du dich vermutlich wundern und schwer tun. Aber Langeweile ist ein ungewöhnlich starker Motor für Kreativität. Langweile dich doch mal wieder.
Und damit meine ich nicht, nach einander alle deine Social-Media-Apps zu öffnen, nichts Neues zu sehen, die nächste, nichts Neues, die nächste, nichts Neues, die nächste …
Manche Menschen schwören auf Meditation, andere spazieren. (Goethe trank)
Wenn dein Kopf leer ist, hast du nämlich viel mehr Raum zum Grübeln.
Es mag sich nicht immer so anfühlen, als würde dein Kopf arbeiten. Gerade wenn man abschweift und über Unsinn nachdenkt.
Aber wenn in deinem Hinterkopf eine Idee steckt, auf die du richtig Bock hast, dann passiert da eine ganze Menge. Und ehe du dich versiehst, bist du mit den Gedanken wieder zurück bei der Idee und es passiert irgendetwas Neues damit.
Es ist ein bisschen wie mit deiner Balkonpflanzen. Du kannst sie schlecht zwingen zu wachsen. Aber wenn du ihr keinen Raum gibst, um Wurzeln zu schlagen, dann wird sie auch nicht besonders groß werden.
Ungeduld verstehe ich ja sehr gut, aber manche Ideen brauchen einfach Zeit.
Also: Schalt mal ab!

4.) Brainstorming

Wenn du dringend etwas schreiben musst, weil die Zeit knapp wird. Oder auch einfach am Anfang bist und dir eine Vorstellung davon machen willst, wohin es mit deiner Idee gehen soll, wie wäre es dann mit Brainstorming?
Ja, das klingt jetzt nach trockenem Stoff aus dem Deutschunterricht.
Ist es auch, aber der hat schon auch seinen Platz.
Es geht darum einfach, Grenzen auszutesten. Mal zu schauen, was dich an deiner Idee besonders kitzelt. Vielleicht heraus zu finden, was es ist, dass dich dabei antreibt. Und vielleicht sogar zu verstehen, wohin du damit willst.
Dabei kannst du ganz klassisch ein leeres Blatt Papier nehmen, deinen Satz / Titel / Gedanken in die Mitte schreiben, und anfangen wild drauf los zu assoziieren. Oder jede andere Methode wählen. Tob dich aus.
(Meine Wand über dem Schreibtisch sieht manchmal aus wie in einer Mordermittlung)
Das braucht ein bisschen Überwindung bzw. Übung, mit leerem Kopf einfach drauf los zu denken. Aber es ist seine Zeit auf jeden Fall wert.
Wenn dir das noch zu seltsam oder schwierig ist, dann kannst du das auch interaktiver machen.
Schnapp dir einen Freund oder eine Freundin und erzähle ihnen von der Idee. Am besten jemand unvoreingenommenes, dann können sie das neutraler betrachten.
Sie sollen dir sagen, was ihnen als erstes einfällt, welche Fragen sie sich stellen, was passieren könnte, und was ihnen wichtig ist. Darauf antwortest du.
Beantwortet und stellt euch gegenseitig Fragen.
Was wäre wenn? Was würde passieren? Wen betrifft das?
Spielt den Ball ein paar Mal hin und her, und du hast den selben Effekt erzielt.
Also: Lass deiner Idee freien Lauf!

Gut, das sind alles Dinge, die du tun kannst, damit aus deiner kleinen Idee eine wirklich gute, oder sogar eine ausgereifte Struktur wird.
Aber vielleicht sagst du jetzt: Ich habe ja nicht mal eine kleine Idee! Wo soll ich die denn her bekommen?

Ich habe gar keine Ideen. Was kann ich tun?

Die Antwort ist dir vermutlich zu simpel. Du hast sie schon.
Wir alle haben den Kopf voll davon. Auch die Menschen, die von sich behaupten, sie seien nicht kreativ. Wir können garnichts dagegen tun.
Zugegeben, wir bekommen das in der Schule abtrainiert.
(Lass mich jetzt nicht von Schule anfangen, sonst sind wir morgen noch hier)
Es braucht für dich vielleicht etwas Übung.
Alles was du dafür tun musst, ist mal auf dich selbst zu achten.
Wann hast du das letzte mal gedacht:
„Das war cool. Aber was wäre wenn …?“

Diese und ähnliche Fragen bringen immer (lass mich das betonen: IMMER) eine Idee mit sich.
Was wäre wenn: der Radfahrer vor dir es nicht geschafft hätte, dem Auto in letzter Sekunde auszuweichen?
Was wäre wenn: Du dich jetzt einfach so trauen würdest, die Person an der Bar, die du so schick findest, anzusprechen? Und dann sagt die auch noch ja …
Was wäre wenn: Der Fahrkartenautomat diese Geräusche macht, weil darin kleine Kobolde sitzen, unter Schweiß und Ächzen Mini-Druckwalzen antreiben müssen?

Du hast in deinem Facebook Profil oder deine Tinder Biographie zu stehen das du „manchmal ein bisschen verrückt“ bist?
Dann sei es auch.
Ja, wir sind es gewohnt sowas schnell zu verwerfen. Denn das ist ja Tagträumerei.
Und das bringt dir keine guten Noten, die bringen dir keinen guten Abschluss, der bringt dir keinen guten Job, der bringt dir zu wenig Geld, das macht dich unglücklich.
Aber genau diese Gedanken machen Spaß. Und weißt du was gegen unglücklich sein hilft?

Was für ein Zufall.

Lass also keinen Gedanken los, nur weil er unsinnig erscheint, oder verrückt wirkt.
Was geht dir durch den Kopf? Was stellst du dir für Fragen? Was beschäftigt dich?

Ich kann deine Selbstzweifel bis hierhin hören: Aber meine Idee ist so banal und unwichtig!

Ist meine Idee zu langweilig?

Ja. Sie ist langweilig. Sie wird die Welt nicht verändern, und seien wir ehrlich, irgendjemand, wenn nicht sogar Tausende, haben sie vor dir gehabt.
Na und?

Ich bitte dich: Denk nicht, dass deine Ideen weniger wert sind!

Wenn es etwas ist, dass dir wirklich wichtig ist, dich beeindruckt, beeinflusst und/oder nicht loslässt. Dann ist das eine starke Idee.
Was deine Idee so wichtig macht, ist ja nicht immer sie selbst. Sondern das, was sie mit dir macht.

Nur weil deine Idee nichts Neues ist, ist sie nicht weniger stark.
Im Gegenteil. Wenn viele genau das Denken und nachvollziehen können, dann triffst du damit sogar einen Nerv.

Du steckst in den Abiprüfungen, bekommst kaum noch Schlaf, kannst dir nie und nimmer all diesen Stoff reinquetschen, hast fast das Gefühl zu platzen und möchtest am liebsten alles hinschmeißen, und sein lassen. Du bist verzweifelt.
Das ist nicht originell. Das geht über 60 Leuten in deinem Jahrgang so. Das ging genau so Vielen letztes Jahr so. Und im Jahr davor. Und wird auch im Jahr danach Vielen so gehen.
Da mussten auch deine Eltern, Lehrer und viele mehr durch.
Langweilig. Oder? Nichts besonderes.
Was glaubst du wer du bist, dass genau DU dich jetzt darüber beschwerst?

Bullshit!
Es ist dir wichtig. Genau jetzt.
Denn genau jetzt, fühlst du eine ganze Menge deswegen.
Und genau das macht deine Idee so stark.

Es gibt in der Schreibtheorie den allgegenwärtigen Satz:
„Schreib über das, was du kennst.“

Darüber könnte man ganze Abhandlungen verfassen. Und Archive füllen mit den Menschen, die deswegen nicht ihre Ideen zu Papier gebracht haben.
Für mich steckt darin aber etwas ganz Essentielles:
Das was dich beschäftigt, darüber kannst du eine ganze Menge erzählen.
Also solltest du vielleicht genau das tun.

Noch ein Fun Fact am Rande:
Warum hat Harry Potter eine Brille und (in den Büchern) strubbelige Haare?
Weil sich eine junge Frau geärgert hat, dass es keine HeldInnen mit Brille gibt. Sie selbst braucht ja eine, also wie soll sie sich da wiederfinden? Von den Haaren wollen wir garnicht erst anfangen.
Das war J.K. Rowling früher so wichtig, dass sie damit schließlich einen Helden erschuf, der genau damit zu kämpfen hat.

Ideen zu haben ist kein Hexenwerk.
Meine Szene am Anfang? Humbug.
Ich kann dir nicht sagen, wo die Ideen herkommen. Aber ich kann dir versprechen, dass sie kommen werden. Du musst dir schlichtweg angewöhnen hinzuhören.
Ja, das braucht vielleicht am Anfang Übung. Aber ich verspreche dir, es lohnt sich.
Bleibt ja eigentlich nur noch eine Frage, oder?

Ich habe eine Slamtext-Idee. Was jetzt?

Tja, jetzt hast du mich.
Hier gibt es kein Wundermittel.
Keine 10 Tipps, mit denen „auch du deine Idee zu Papier bringen kannst“.

Der nächste Schritt ist eigentlich ganz einfach. Und doch der, der am meisten Überwindung kosten wird:
Setz dich hin, und schreib.

Darum kommst du nicht herum.
Das ist es, was aus einer guten Idee einen Text macht.
Genau hier scheitern leider allzu viele Ideen.
Denk einfach daran: das was du jetzt schreibst, muss nicht perfekt sein. Aber wenn du es gar nicht erst schreibst, wird es nie existieren.

Manchmal fällt einem das leichter.
Ich hatte auch schon Momente, in denen ich rotwein-schwanger durch die melancholische Nacht gelaufen bin, die Gedanken schwer von Nachtluft und Denklust. Und plötzlich hatte ich etwas, dass sich wie eine Eingebung anfühlt. Dass wie ein Blitzschlag aus deinem Kopf durch deinen ganzen Körper fährt. Und du beeilst dich nach Hause, um ja nichts zu vergessen und da sitzt du dann. Auf dem Boden, oder dem Klo, oder irgendwo in der Küche und schreibst einfach drauf los.
Das fühlt sich fantastisch an.

Die trockene Realität sieht aber meistens anders aus.
Es ist 6 Uhr morgens. Ich bin noch müde, nippe an meiner zweiten Tasse Kaffee und sitze vor dem Laptop. Die leere Seite vor mir und ich liefern sich einen Anstarr-Wettbewerb.
Mein Kopf ist leer, im Hinterkopf habe ich all die Dinge, die ich eigentlich machen müsste. Ich verbiete mir schon wieder auf zu stehen und sinnlos durch die Wohnung zu tigern.
Zwei Stunden später allerdings kleben meine Finger auf der Tastatur. Ich bekomme gar nicht mehr mit, dass ich längst hungrig bin oder mein Rücken sich beschwert.
Und irgendwann schrecke ich hoch und habe etwas geschrieben.

Irgendwie glanzlos und so gar nicht magisch.

Deine Aufgabe ist, auszuprobieren in welcher Atmosphäre du am besten arbeiten kannst.
Mit kalten Füßen und Kaffee, um 6 Uhr morgens am Schreibtisch?
In Omas Garten zwischen den Orchideen, allein mit deinem Notizbuch?
Nach dem dritten Glas Wein, auf dem Sofa, während im Hintergrund der „Herr der Ringe“ Soundtrack tönt?
Das sieht bei jedem Menschen anders aus. Wichtig ist, dass du dich wohl fühlst, aber nicht ZU wohl, um abzuschweifen.

Wenn du dir deine Idee erlaubst, sie durchdenkst, und dich in deine Schreibhöhle begibst, dann steht dem eigentlich nichts mehr im Weg.
Und ab diesem Punkt, fühlt es sich dann eben doch magisch an.
Denn das Gefühl danach ist unbeschreiblich.
Und ich persönlich, würde es um nichts in der Welt hergeben.
Wie aus einer Blase zu erwachen, und etwas zustande gebracht haben, an dem dein Herz hängt. Etwas das andere begeistern wird …

Naja begeistern. Nein, das wird es noch nicht.
Das was du aufgeschrieben hast, ist wunderschön. Aber nicht perfekt.
Und das muss es auch gar nicht sein.
Aber wenn du möchtest, dass es von „Gut“ zu „Sehr gut“ wird, dann musst du dich leider noch mal hinsetzen.
Denn jetzt beginnt erst die eigentliche Arbeit…

Fortsetzung folgt.

 


Du findest dieses und weitere Themen sollten mal in der Schule behandelt werden? Wir auch.
Die Kiezpoeten bieten  Workshops rund um das Thema Poetryslam an.
Einfach anfragen, und vielleicht sehen wir uns bald.

Du möchtest mal raus aus deinem Arbeitszimmer, und dich mit anderen AutorInnen treffen?
Yo-Pa von den Kiezpoeten bietet alle 14 Tage eine offene Schreibwerkstatt im Café Maggie in Berlin Lichtenberg an.
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Du hast es geschafft und etwas geschrieben. Jetzt bist du heiß drauf, dich mal auf einer Bühne zu versuchen?
Dafür sind die Bühnen der Kiezpoeten wie gemacht. Jede einzelne davon hat nicht nur Charakter, sondern auch Herz für Neulinge.
Du musst keine Scheu haben. Schreib uns an, und vielleicht bist du schon beim nächsten mal dabei!
Wir freuen uns auf dich.