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Worüber sollst du denn jetzt schreiben?
Lerne Techniken kennen, um deine Kreativität zu stimulieren.
In der letzten Lektion hast gelernt, weniger kritisch mit dir zu sein und einfach mal ohne Grenzen drauf los zu schreiben. Ist dir dabei ein spannender Gedanke gekommen? Super!
Vielleicht hast du aber auch gemerkt, dass das mit den Ideen gar nicht so einfach ist.
Kreativität ist die Fähigkeit etwas Neues zu erschaffen.
Die Kreativität im Kunsthandwerk:
Neue Ideen. Für Thema, Form oder Präsentation.
Gute Texte haben also irgendetwas Neuartiges an sich. Dabei muss aber nicht jedes Mal das Rad neu erfunden werden.
In dieser Lektion wollen wir dir ein paar einfache Übungen zeigen, um deine Kreativität zu wecken und kreatives Denken zu fördern.
VIDEO: Kreativität wissenschaftlich betrachtet
Bei einem Science Slam wird wissenschaftliche Forschung einem Laienpublikum unterhaltsam präsentiert (und wie beim Poetry Slam gibt es dabei einen Wettbewerb und ein Zeitlimit).
Im folgenden Video stellt Prof. Sascha Friesike seine Erkenntnisse zum Thema Kreativität vor:
In den letzten Jahrzehnten wollten vor allem Unternehmen wissen, wie sie kreativere Lösungen für Probleme finden und innovativere Produkte entwickeln. Die Antwort darauf waren sogenannte creativity trainings für Teams. Dort haben sich verschiedene Techniken und Denkansätze bewährt, von denen wir dir einige hier vorstellen wollen.
Du kannst sie sofort ausprobieren, aber wahrscheinlich wird dir nicht alles zusagen oder nicht alles zu deiner Situation passen. Auf jeden Fall kannst du aber immer wieder in dieses Kapitel zurückkehren, wenn du mal feststeckst und neue Ideen suchst.
Wie du deine Kreativität weckst
neue Themen
Dokumentieren
Gute Ideen kommen, wann sie wollen, deswegen solltest du sie aufschreiben. Mithilfe einer Notiz-App, Sprachaufnahmen oder halt auf der Rückseite eines Kassenzettels.
Auch ein Tagebuch hält dich kreativ und allgemein “fit” im Schreiben. Unsere Sichtweisen auf Themen können sich mitunter auch in kurzer Zeit stärker verändern, als wir meinen.
Und: Viele gute Ideen kommen kurz vor oder nach dem Schlafen, wenn unser Gehirn sich langsam “entspannt”. Hab also immer auch ein Notizbuch und Stift in der Nähe deines Betts bereit.
Bewegen
Sport ist wichtig. Auch – oder gerade – für dein Gehirn und deine Kreativität. Damit sind nicht hundert Liegestütze und völlige Verausgabung gemeint. Aber ein Spaziergang oder eine Runde Fahrradfahren wird dich mit neuer Energie erfüllen und alte Denkmuster aufbrechen.
Imitieren
Bau auf dem auf, das es schon gibt. Zum Beispiel indem du dich an den Ideen und Stilen Anderer bedienst: Versuch doch mal, deinen Text wie einen Reise-Blog zu schreiben. Oder als Romanze für die Bahnhofsbücherei, technische Anleitung, Kindergeschichte, philosophisches Standardwerk…
Sinne stimulieren
Oft konzentrieren wir uns aber viel zu sehr auf unseren visuellen Sinn. Geh doch mal raus, lauf mit nackten Füßen über eine Wiese oder streich über die Rinde eines Baums. Riech am Kaffee, hör einfach Musik oder mach dein Bett, um Kreativität freizusetzen.
Woanders hingehen
Wenig überraschend: Ideen kommen meist nicht am Schreibtisch. Wenn du dich blockiert fühlst, steh auf. Geh raus, beobachte die anderen Menschen um dich herum. Kauf dir einen Kaffee, einen Saft oder ein Bier. Geh ins Kino.
Kurz: Such dir Inspiration woanders.
neue Ansätze
Eintauchen
Um neue Lösungen und Ideen in einem bestimmten Themenfeld zu finden, hilft es manchmal, vollkommen darin einzutauchen. Lies ein Buch, durchsuche das Internet nach passenden Artikeln, sammle Bilder und Beispiele. Werde zum Experten für dein Thema.
Dekonstruieren
Vielleicht kennst du diese Idee aus der Küche: Ein bekanntes Konzept (z.B. die Schwarzwälder Kirschtorte) wird in seine Einzelteile zerlegt (Schokokuchen, Sahne, Kirschen…). Aus diesen kann nun etwas Neues entstehen. Du kannst sie neu zusammensetzen (z.B. zu einem Löffel-Dessert) oder sie bewusst getrennt voneinander betrachten.
Die Gegenteil-Methode
Ein ganz neuer Blickwinkel: Statt dich zu fragen, wie man den besten Text der Welt schreibt oder Leute zum Lachen bringt, frag dich: Wie müsste der Text sein, damit es der schlechteste Text wird oder das Publikum auf jeden Fall wütend / müde / traurig wird? Vielleicht schreibst du diesen Text danach sogar, das kann nämlich ganz schön Spaß machen.
Techniken mixen
Wenn du beim Schreiben mal feststeckst, mach etwas anderes. Wie würde deine Geschichte als Einkaufszettel aussehen? Als Skizze? Als Fließdiagramm?
Analogien erzwingen
Die Methode wird auch Synectics genannt. Es geht darum, dein Thema / dein Problem mit etwas scheinbar völlig Fremden zu vergleichen. Manchmal findest du dabei überraschende Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Übrigens: Bei manchen Poetry Slams gibt es eine “Spontanschreibrunde”: Die Auftretenden müssen einen völlig neuen Text improvisieren.
Als Leitfaden gibt es vielleicht ein bestimmtes Bild oder Worte aus dem Publikum. Dabei entstehen oft spannende und manchmal verrückte neue Ideen und später auch ganze Texte.
In Berlin ist das zum Beispiel der Eagel Slam.
Fingerübung: Neue Impulse
Bei der ersten Übung ging es noch darum, die prüfende Stimme der Vernunft in deinem Kopf auszuschalten. Jetzt sollst du mithilfe von kleinen Aufgaben und Techniken deine Gedanken in neue Richtungen lenken.
In der zweiten Schreibübung bekommst du neue Impulse, um dein Gehirn auf neue Wege zu leiten!
Interessierst du dich mehr für Kreativität als Forschungsobjekt?
Hier haben wir ein interessantes Fachbuch und einen wissenschaftlichen Artikel für dich (Achtung: nur auf Englisch).
1: Human Resource Management, Innovation and Performance. (2014). Palgrave MacMillan.
2: Tsai, K. C. (2013). A Review of the Effectiveness of Creative Training on Adult Learners. Journal of Social Science Studies, 1(1), 17.