Das sind die Poetry Slam Platzhirsche in Deutschland!

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Poetry Slam in Deutschland lebt von und mit seinen regionalen Veranstalter:innen. Entwachsen aus der Szene und meist lange Zeit selbst Bühnen-Poet*innen, haben viele Slam-Master*innen (MCs) sich eine regionale Dominanz ergattert, die man schon fast monopolistisch nennen könnte. Aber wer sind diese Platzhirsche, und was zeichnet sie aus? Wen sollte man anfragen, wenn man als Poet:in auf Tour gehen will? Und bei wem finden Zuschauer:innen die meisten (oder besten) Shows? Wir stellen die größten Slam-Veranstalter*innen Deutschlands vor.

Das Hamburger Poetry Slam-Imperium: Kampf der Künste

Wenn es einen Verein gibt, der das Label “Platzhirsch” verdient, dann sind das unsere Freunde von “Kampf der Künste” mit ihren massiven Großveranstaltungen. Teil der “10 Punkte GmbH” und verschwistert mit der “Kaderschmiede” Künstleragentur hat sich um Jan-Oliver Lange, Elisa Fischer und Michel Abdollahi ein wahres Imperium im Norden etabliert. Und nicht nur da: Sie sind mit Abstand die größten Poetry Slam Veranstalter in Deutschland.

Sie bespielen jede Hamburger Lokalität vom Deutschen Schauspielhaus bis zur Elbphilarmonie, die irgendwie nach “Prestige” aussehen könnte. Man könnte sich beinah fragen, ob es in Hamburg überhaupt andere Veranstalter als das “KdK”-Imperium gibt (und wie viel Schutzgeld müssen sie zahlen?). Aber doch doch, es gibt auch ein paar unabhängige Veranstaltungen in Hamburg, ist ja schließlich eine große Stadt. Aber neben dem größten Slam-Veranstalter Europas sind sie dann doch verhältnismäßig unbekannt. (Außer man macht sich als Arne Poeck einen Namen als Haus-Statistiker der Slamily). Wenn du bei KdK auftreten möchtest, und nicht zufällig in Hamburg wohnst, dann gehst du am Besten mal auf die Nord-Tour, wo der Zeise-Slam in Hamburg mit Slams in Schleswig-Holstein verbunden wird – Kollege Hinnerk Köhn kümmert sich hierfür ums Lineup!

KdK haben das Format “Best Of Slam” erfunden, heißt es, und wenn nicht, dann haben sie es auf die Spitze getrieben. Haben wir schon erwähnt, dass sie groß sind? Sie betreiben einen erfolgreichen Youtube-Kanal und vertreten einige berühmt gewordene Poet:innen. Von kleinen Kiez- oder Nachwuchsshows haben sie sich allerdings eher verabschiedet.

Das Kieler Kollektiv: AssembleArt

Der Platzhirsch in Schleswig-Holstein heißt natürlich Björn. Björn Högsdal genaugenommen. Von Kiel ausgehend versorgt er mit Assembleart den hohen Norden mit grundsoliden Poetry Slams, vertritt eine Hand voll ebenso sympathischer und ausnahmslos großartiger Künstler:innen und wenn man bei ihm auf Tour ist, kommt man auch mal bei ihm aufm platten Land vorbei, frühstückt frische Eier und geht zum Bogenschießen in den Garten, klar warum nicht. Ja okay wir geben es zu, wir mögen die Kieler Crew. Gemeinsam mit dem KdK-Zeise Slam kann man hier eine sehr schöne Slam-Tour machen!

Bayerns Slam-Herrscher: Ko Bylanzky

Seit inzwischen rund 25 Jahren veranstaltet Ko Bylanzky von München aus die wichtigsten bayerischen Slams. (Und ein bisschen in Baden-Württemberg und dem Süden Deutschlands, und Österreich.) Der MunichSlam im Substanz, den er 1996 gemeinsam mit Rayl Patzak übernahm, galt lange als größter regelmäßiger Poetry Slam Europas.

Der Alleinherscher des Südens braucht keine Website! Man findet schon so zu seinen Events, über einzelne Facebook-Seiten, die Locations oder was immer man in Bayern noch so macht, wahrscheinlich die Tageszeitung. Wenn ihr euch fragt: Aber wie schreibe ich ihn dann an, wenn ich mal bei ihm auftreten will?

Gar nicht.

Du fragst nicht Ko Bylanzky an, Ko Bylanzky fragt dich an. Und wenn er das nicht tut, bist du entweder noch nicht fame genug oder du musst ihm irgendwo anders noch zufällig über den Weg laufen. Denn eigentlich hat er gar nicht so elitäre Ansprüche an die Slammer:innen, die bei ihm auftreten – er möchte sie einfach vorher schonmal gesehen haben. Und das ist ja irgendwie auch verständlich.

Der Substanz-Slam atmet immer noch ein bisschen den Geist der Anfangszeit, mit Stehplätzen, offenen Listen und ein bisschen Roughness. Aber da Ko inzwischen auch in Salzburg veranstaltet, vermuten wir, dass da auch längst eine breitere Palette vorhanden ist. (Als ob es in Salzburg roughe Kneipen gäbe.)

das widerspenstige Dorf: Franken

Ganz Bayern ist unter der Herrschaft des unangefochtenen Ko? Nein, nicht ganz Bayern. Denn Franken ist, wie jeder weiß, ja nicht wirklich Bayern. Hier treten Moderatoren in extravaganter Kleidung auf die Bühne (Michel Jakob vom Kulturschock e.V., Nürnberg), Tourpoet:innen werden im Familien-Landhaus untergebracht (Manfred Manger von der Dichterschlacht-Schüssel Schweinfurt) und hat zwar nur begrenzten Bock auf Werbung aber füllt trotzdem regelmäßig die Halle (Christian Ritter in Würzburg). Alles ein bisschen unkonventioneller, und manchmal schüttelt man verwundert den Kopf. Aber dann lässt man sich doch von den hübschen Städtchen und ihren hübschen Slams verzaubern. Und für Neulinge im Poetry Slam auf der ersten Tour ist das ein super Einstieg in den Süden des Landes.

Die Ruhrgebiets-Slam-Unternehmer: WortLautRuhr

Angefangen vor zehn Jahren in Bochum und Herne hat sich die inzwischen als gemeinnützige GmbH firmierte WortLautRuhr längst zum größten Veranstalter im Ruhrgebiet entwickelt. Neben dem Poetry Slam Star und Bochumer Host Sebastian23 und dem Herner Slammaster und strategischem Kopf Christian Wawrzyniak als ursprüngliche Gesellschafter übernimmt inzwischen Lea Zymnie die Geschäftsführung. Das heißt aber nicht, dass ihr diese drei Köpfe immer sehen werdet, wenn ihr im Ruhrgebiet auftretet. Das Line-Up macht Yannick Steinkellner, Malte Küppers macht die Nachwuchsarbeit, Zoë Hars die Öffentlichkeitsarbeit. Es kann also durchaus sein, dass ihr kein einziges Mal mit Sebastian23 zu tun habt auf eurer NRW-Tour. (Schade, weil der sehr nett ist, aber dann komm halt nächstes Mal wieder. Und der restliche Haufen ist ja auch nett!)

Als wahrer regionaler Platzhirsch hat WortLautRuhr teils bestehende Veranstaltungen der Region professionalisiert, teils schlicht aus dem Nichts hochgezogen. Vom riesigen FZW Slam in Dortmund bis zu Poetry Slams in Schwerte, Bochum und Duisburg mit gleich mehreren Shows und weiß Gott wie viele Sonderveranstaltungen in allem, was das Ruhrgebiet “Stadt” nennt. (Und seien wir ehrlich, das ganze Ruhrgebiet ist ja eigentlich eine einzige zusammenhängende Stadt.)

Obwohl WortLautRuhr inzwischen größte Theatersäle bespielt, sind sie immer noch sehr Anfängerfreundlich. Mit ihren New Generation Slams ziehen sie sich ihren eigenen Nachwuchs heran und zeigen sich auch bei großen Shows offen für Tourende, die sie nicht schon jeden Monat da haben. Außerdem haben sie ein heftig gutes Programmheft.

Im Westen Deutschlands ist WortLautRuhr sicherlich der Platzhirsch. Natürlich gibt es in NRW noch viele andere Veranstaltende außer den Ruhrpöttlern, ist ja schließlich ein großes Bundesland. Aber so richtig kommt man an ihnen nicht vorbei. Und sie haben maßgeblich dafür gesorgt, dass die Slamszene in NRW als besonders stark gilt: Die NRW-Landesmeisterschaften zu gewinnen, ist eine wirkliche Herausforderung.

Ist Essen eigentlich noch Ruhrgebiet?

Jede Regel hat eine Ausnahme, und im Ruhrgebiet ist das offenbar Essen: Natürlich ist auch hier WortLautRuhr vertreten. Aber hier teilen sie sich den Kuchen mit einem diversen Haufen einzelner Veranstaltenden. Erstaunlicherweise scheint das ohne größere Probleme zu funktionieren (Sachsen, schaut euch mal davon was ab). Eine Übersicht über die Essener Szene findet ihr auf der Seite poetry-slam-essen die von unserem guten Kollegen Marius Hanke betrieben wird. (Der übrigens auch unseren Online Workshop mitgestaltet hat!)

Ja aber NRW ist doch noch mehr als das Ruhrgebiet?

Logisch klar. In Köln gibt’s zum Beispiel den “Reim in Flammen” mit der großartigen Grande Dame des deutschen Slams, Anke Fuchs. Im Bonner Pantheon gibt’s regelmäßig Slam. In Ost-Westfalen haben sich SlamOWL mit offenen und herzlichen Shows breitgemacht, mit denen wir beim Phrasendrescher Slam zusammenarbeiten. Und unsere Kollegin Anna Lisa Azur hat von Wuppertal bis Wermelskirchen ihre Finger im Spiel (sie steht jeden Morgen um 6 Uhr auf und ist sehr schnell, da kriegt man einige Distanzen im weitläufigen Bundesland zurückgelegt).

Berlin-Brandenburg: Zwischen Kiezpoeten, Kunst & Krawall und Edellauchs

Natürlich muss Berlin mal wieder eine Ausnahme machen: Hier haben schon zahlreiche Veranstaltende ihre Finger im Spiel (gehabt)

  • MCs die in Hessen veranstalten aber in Berlin leben
  • MCs die in Berlin und Rheinland-Pfalz veranstalten
  • MCs die in Franken und Berlin veranstalten
  • MCs die nur in Rixdorf veranstaltet hatten aber da schon viel länger als fast alle anderen

Jedes Viertel hat seinen eigenen Slam (oder mehrere), und viele davon wurschtelten lange nur alleine vor sich hin. Manche so sehr, dass erst nach Jahren der Rest der Szene feststellte, dass es ja in Rixdorf einen der ältesten Poetry Slams der Stadt gibt und man den einfach bei den Deutschsprachigen Meisterschaften vergessen hat. (RIP Ralf!)

Wenn man ehrlich ist, hat niemand so wirklich Überblick, wer alles in Berlin Slams oder Lesebühnen veranstaltet. Eigentlich jede:r, der:die mal ein Mikro in der Hand gehalten hat. Das ist vielleicht nicht immer die größte Galaveranstaltung. Aber auf jeden Fall vielfältig!

Drei Schwerpunkte haben sich inzwischen allerdings herauskristallisiert im Bundesland der Kollektive: Zum einen wären da die “Edellauchs“, um Wolf Hogekamp und Julian Heun. Der Ruf des Edellauchs-Kollektivs: Club-Atmosphäre, Techno, und wenn ein Slam keinen eigenen DJ hat, ist es kein richtiger Slam. Sie haben 2019 die deutschsprachigen Meisterschaften in Berlin ausgerichtet und blicken auf eine lange Geschichte voller hipper Slams in den coolen Teilen der Stadt zurück. Seitdem ist es etwas stiller um sie geworden, sie veranstalten aber immer noch den ältesten Slam Deutschlands – den Bastard Slam in der Ritter Butzke.

Seit 2022 gibt es ein neues Kollektiv in Berlin, bestehend aus Birdy, Inke Sommerlang, Petra Lampe, Veronika Rieger und Annette Flemig, namens “Kunst & Krawall”. Sie vereinen mehrere bereits etablierter Slams, vom “Tempel Slam” bis zum “Dichterasse Slam” im CVJM. Das feministische Veranstaltungs-Kollektiv hat sich auf die Fahnen geschrieben, mehr Safe Spaces und Repräsentanz auf der Bühne zu schaffen. Toll!

Und dann sind da natürlich noch, nunja, wir Kiezpoeten. Hallo! Die MCs von jenseits der Ringbahn, die sich nicht zu schade für Stadtteile wie Friedrichshagen, Spandau und Beelitz-Heilstätten sind. Man könnte auch sagen: die nehmen alles, was sie kriegen. Stimmt so ein bisschen: Von der hippen Kneipe in Moabit bis zum Admiralspalast. Und nicht mal einen eigenen DJ haben wir. Unser Ziel: viel Nachwuchsarbeit, aber auch Best Of Bühnen, viele neue Konzepte und viele Experimente, aber mit Anspruch. Naja, was man halt so über sich sagt.

Warte und was ist mit Brandenburg?

Also, wir mögen ja Brandenburg. Aber seien wir ehrlich: Viel ist da nicht. Was nicht von uns Kiezpoeten veranstaltet wird, sind meist verstreute einzelne MCs mit (höchst gemütlichen!) Shows von Eberswalde bis Brandenburg Havel. Wir mögen das ja und fühlen uns da wirklich wohl, aber Großveranstaltungen gibt’s eigentlich nur, wenn der BB Slam e.V. einmal im Jahr die Berlin-Brandenburger Meisterschafts-Vorrunde in Potsdam ausrichtet. Mit Großteils Berlinern. Wald gibt’s genug, aber Platzhirsche sucht man hier vergeblich. Es ist natürlich ein bisschen gemein, dass wir das hier so als Unterkapitel von Berlin abhandeln, aber wir sind eben eine gemeinsame Kulturregion, und veranstalten auch gemeinsam die Berlin-Brandenburger Meisterschaften im Slam. Außerdem haben wir schon einen Extra-Blogpost nur über Brandenburg!

Sachsens Slam-Beef: Livelyrix, Slamevents & angeprangert

Sachsen ist kein einfaches Poetry Slam Pflaster, und alleine die Tatsache, dass wir die folgenden drei Veranstaltenden aus dem Freistaat nebeneinander erwähnen, wird uns vermutlich schon unter Rechtfertigungsdruck bringen. Deshalb halten wir uns explizit zurück mit unseren Urteilen hier, nicht dass das noch jemand in den falschen Hals kriegt.

Auf der einen Seite ist da Livelyrix, der als Verein in Leipzig ansässig ist. Ihre Veranstaltungen finden sich neben Leipzig auch in Dresden und inzwischen auch in anderen mitteldeutschen Städten. Ihr erkennt ihre Poetry Slams daran, dass sie im Prinzip immer so heißen wie der Verein: Livelyrix Slam Dresden, Livelyrix Slam Leipzig, Livelyrix Slam Jena. Als e.V. wechseln sich die Verantwortlichkeiten in Vorstand und Booking immer mal wieder, aktuell besteht der Vereinsvorstand aus Elisabeth Jaspersen, Nils Straatmann (aka Bleu Brode) und Alexandra Köth. Im Programm haben sie das übliche Slam-Veranstalter-Portfolio von Nachwuchs-Slam, Lesebühnen und Best Of Slams. Ihre Spezialität sind Solo-Shows von Slammer:innen, die sie vor allem in ihren Stammlocations organisieren.

Auf der anderen Seite ist da Slamevents, die Slam-Marke des Dresdner Veranstalters Thomas Jurisch. Sein Fokus liegt überwiegend auf Dresden, mit vereinzelten kleineren Slams in sächsischen Kleinstädten. In Dresden jedoch ist er seit langer Zeit der Großveranstalter und besonders mit zwei Spezialformaten (und dieses Jahr dem Kleinkunst-Sommer) aktiv: Da wäre zum einen der LimitJazzSlam, der erste Jazz-Poetry-Slam Deutschlands, bei dem Poetry Slammer:innen auf eine Jazzband trifft, die live zu den Texten improvisiert. Das zweite Spezialformat ist der ComedySlam, den Slamevents als Format erdacht hat: Im Grunde einfach ein Best Of Slam, aber ausschließlich mit lustigen Texten. Im Schnittbereich zu Comedy-Bühnen kommen hier jedes Jahr rund 3.000 Zuschauer zur Open Air Bühne.

Und dann wäre da noch die ehemalige Berlinerin Jessy James LaFleur: Mit ihrem “Angeprangert”-Team bespielt sie bisher vor allem die kleineren Städte in Ost-Sachsen und dem Sorbenland. Mit der Eigenheit, dass die meisten Shows ohne Wettbewerbs-Format auskommen und als „Spoken Word Show“ besonders newcomerfreundlich sind.

Sachsen-Anhalt: Das vergessene Slam-Land

Vor etwa 10 Jahren hatte Sachsen-Anhalt eine reichhaltige und sehr aktive Poetry Slam Szene. Von Halle ausgehend breitete sich der “HALternativ”-Verein übers ganze Bundesland aus. Aber nach harten, gerechtfertigten Vorwürfen und einem dazugehörigen Rechtsstreit um den ehemaligen Vorstand löste sich der ganze Verein schließlich auf. Aber natürlich gab es mehrere Leute, die zuvor Teil des Vereins waren, und die sich rechtzeitig loslösten um eigene Shows zu machen. So veranstaltet Katja Hofman heute schöne Shows in der Oper Halle, Slamalarm übernahm den einst von Kiezpoet Jesko Habert gegründeten Regio Slam Halle, und in Magdeburg gründete sich der MindDrop eV. um Ex-Halternativ-Mitglied Paula Günnisdöttir. Und alle diese Veranstalter:innen sind tolle, engangierte Menschen, zu denen man auf jeden Fall mal auf Tour gehen sollte.

Rheinland-Pfalz: zersplittert und verkuschelt

Das gemütliche Bundesland am Rhein galt lange als verschlafen und ohne ernstzunehmende eigene Slam-Szene. Die allgemeine Abwesenheit von Großstädten und ambitionierten Groß-Veranstaltern zeigte sich darin, dass bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften im Slam allzu oft Leute gewannen, die gar nichts mit dem Bundesland zu tun hatten.

Hier gibt es nicht einen einzigen Platzhirsch, sondern Stadt- und Landkreise mit ihren jeweiligen Szenen. Der Reimstein in Koblenz, der Slam vom Kulturraum-Trier eV., die Wortanklage Westerwald, die Mainzer Szene – eigentlich kommen die Akteure nur bei den jährlichen Meisterschaften zusammen. Es gibt zwar keine Slam-Tour (außer man bastelt sie sich selbst zusammen), aber dafür auch keinen Stress. Eigentlich kennen und mögen sich alle. Rheinländer halt. Seit 2019 sind auch wir Kiezpoeten im rheinland-pfälzischen Linz am Rhein und Ludwigshafen als Veranstalter aktiv (die Kiezpoeten Jesko und Samson sind beide gebürtige RLPler). Und im Herbst 2022 werden wir in Linz, Selters und Andernach sogar die RLP-Meisterschaften im Slam ausrichten! (Richtig guter Grund für nen Besuch, ist hübsch da.)

Hessen haben wir nicht verstanden

Okay ganz ehrlich, wir haben keine Ahnung wer in Hessen eigentlich Poetry-Platzhirsch ist. Irgendwo ist Lars Ruppel, irgendwo ist Felix Römer, irgendwo ist Benedict Hegemann, und der Slamffm-Verein, irgendwann ist jeder mal in Frankfurt, und irgendwann waren alle mal in Marburg. Fahrt einfach hin und guckt wer gerade zufällig da ist!

Mächtig in Niedersachsen: Machtworte

Der freundliche Platzhirsch in Niedersachsen ist wohl MachtWorte. Der Schwerpunkt ist Hannover, der Kopf dahinter ist Henning Chadde, ein Veranstalter der alten Schule: Volle Halle, flapsige Sprüche, ausreichend Bier im Backstage und die gute alte Offene Liste, auch für neue Tourende. Die Offenheit erstreckt sich hier auch auf Veranstaltungsseite – das Programmheft von MachtWorte ist nicht so sehr ein “hier das sind unsere Slams” sondern mehr ein Empfehlungs-Heft für alles, was sich Slam nennt, und versammelt auch andere Veranstalter:innen in der Übersicht. Damit verdient MachtWorte den Begriff “Netzwerk” wie kein anderer Slam-Platzhirsch.

Auch in Niedersachsen sitzt mit dem Blaulicht Verlag übrigens auch der Mutter-Verlag unserer Kiezpoesie-Edition. Und wie könnte es anders sein, auch dahinter steckt ein Slam-Veranstalter: Dominik Bartels, der als Ansprechpartner für Shows in Braunschweig und Wolfsburg eine sehr gute Wahl ist!

Und was ist mit Bremen?

Natürlich ist Bremen auf keinen Fall mit Niedersachsen in einen Topf zu werfen (außer bei der Slam-Meisterschaft Bremen-Niedersachsen). Wer hier mal auftreten will, wendet sich am Besten an das Slammer Filet. Dahinter steht ein lebendiger, idealistischer Verein mit liebevollen Kulturbühnen, und das kann man ja nur unterstützen!

Das grüne Herz deutschlands

Der Thüringer Highslammer e.V. ist der Ansprechpartner für, wer hätte es gedacht, Thüringen. Der Kopf dahinter ist AIDA, kuscheligster Performance-Poet der Szene und Steuerberater der halben Slamszene. Wir nehmen also an, dass der Highslammer e.V. eine richtig saubere Steuererklärung abgibt, vorbildlich! Aber keine Sorge, dort auf Tour gehen macht deutlich mehr Spaß als normalen Menschen ihre Steuererklärung, AIDA erfüllt selbst ungewöhnlichste Essenswünsche und außerdem ist es ein super zentral gelegenes Bundesland, was sich hervorragend zum Touren eignet!

Die Stadt-Staaten Baden-Württembergs

Im Südwesten hat sich eine Reihe starker Slam-Stadt-Staaten etabliert. Man kann in Stuttgart leben und denken, es gibt nichts anderes als die Sprechstation mit dem epischsten Erotik Slam des Landes (stimmt natürlich nicht). Wohnt man in Heidelberg, kennt man wohl nichts als den WordUP e.V., und in Freiburg und Umgebung ist Poetry Slam quasi gleichbedeutend mit Dichterwettstreit Deluxe von Elias Raatz. Aber das schreiben wir wahrscheinlich nur, weil es so weit weg von Berlin ist und wir einfach nicht so regelmäßig hier sind. Viel wahrscheinlicher gehen da alle regelmäßig beieinander auf Tour, und wenn du nicht gerade vom nördlichsten Ende der Republik kommst, haben sie dich sicher auch gerne zu Gast.

Die Provinzen: Mecklenburg-Vorpommorn und das Saarland

Es stimmt natürlich: Wo es wenig Städte gibt, gibt es auch wenig Poetry Slam. Noch, zumindest. Und so sucht man in Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland recht lange nicht nur nach Platzhirschen, sondern überhaupt nach Slams. In Saarbrücken gibt es ab und zu mal einen Poetry Slam. Und wenn man “Mecklenburg Vorpommern Poetry Slam” googelt findet man vor allem den zweifachen MV-Slam-Meister Diego Hagen (der inzwischen in Berlin wohnt). Was veranstaltet wird, ist meist klein, und/oder von Veranstaltenden aus umliegenden Bundesländern organisiert. Aber verzweifelt nicht, wenn ihr an die Ostsee wollt und das mit einem Slam verbinden wollt: Auf Rügen gibts zumindest eine Slam-Show von KdK.

Haben wir jemanden vergessen?

Ganz bestimmt. Denn jenseits der Platzhirsche gibt es zahllose Vereine, Solo-Veranstaltende und unabhängige Shows, die sich der Slamily zugehörig zählen. Das sind so viele, da kann man gar nicht alle auflisten. Vermutlich könnte man jeden Tag der Woche irgendwo in Deutschland bei einem Slam auftreten – manchmal im Opernhaus, manchmal in einer kleinen Dorfkneipe. Und gerade die kleinen Shows sind manchmal besonders liebenswert (und für eure erste Tour auch ein super Start) – bloß weil sie hier nicht erwähnt wurden, heißt das keineswegs, dass sie den Besuch nicht wert wären. Aber wenn du denkst, hier fehlt jemand wirklich wichtiges, dann schreib uns doch einfach übers Kontaktformular!

Wir gehen jetzt unsere nächste Tour planen!
Eure Berliner.


Dieser Beitrag spiegelt nur die Meinung und Perspektive des Blog-Autors Jesko wider.