Poetry Slam ist ja an sich ein offenes Format: Wer immer das Bedürfnis verspürt, auf eine Slam-Bühne zu gehen, kann sich bei vielen Veranstaltungen einfach selbst anmelden.

Wenn eine oder mehrere Bevölkerungsgruppen deshalb im Slam unterrepräsentiert sind, kann man das nicht einfach fehlendem Willen der Veranstalter*innen zuschieben. Nur zu sagen „Tja, selber Schuld“ wird der Tatsache aber natürlich auch nicht gerecht.

Wie meistens, ist es mit der Diversität auch im Slam-Bereich etwas komplexer. (For the section in English, jump to Kevin Groens part)

Gibt es überhaupt „Minderheiten“ auf Poetry Slams?

Da Slams wie erwähnt ein offenes Format sind, gibt es natürlich auch Auftretende, die nicht weiß-cis-hetereo-mittelschicht sind.

Tatsächlich sind sich selbst als LGBTQI* definierende Menschen nicht unbedingt eine Seltenheit auf Slam-Bühnen. Natürlich haben wir keine statistische Erhebung im Vergleich zum Gesamtbevölkerungs-Durchschnitt vorzuweisen, aber ähnlich wie bei der Geschlechterverteilung ist hier die Diversität in den letzten Jahren immerhin ein Stück größer geworden.

In diesem Blogbeitrag behandeln wir daher das Thema „Geschlecht“ und „Sexuelle Orientierung“ nicht weiter – ohne ihm natürlich im Geringsten die Relevanz absprechen zu wollen. Natürlich gibt es da immer noch einiges an Aufholbedarf, und ganze eigene Blog-Beiträge zu füllen. Das findet sich zum Beispiel bei den Slam Alphas.

Was People of Color (PoC), Migrationshintergrund und soziale Schichten betrifft, dürfte die Bühnen-Repräsentanz der bevölkerungsweiten Diversität jedoch noch hinterherhinken.

Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist mehr als ein Einstieg in die Debatte zu verstehen – Ergänzungen sind gerne willkommen.

Soziale Schicht: Ist Slam nur was für Mittelschicht-Kids?

Dem Klischee nach findet man auf Poetry Slams ja ausschließlich Germanistik-Student*innen aus wohlhabendem Haus. Das ist tatsächlich glücklicherweise nicht so (no offence, Germanistiker*innen). Sowohl auf der Bühne als auch im Publikum hat sich in den letzten Jahren ein bisschen was getan.

Es gibt durchaus einige Auftretende, gerade in Berlin, die aus ärmeren Elternhäusern kommen, eine Ausbildung absolvieren oder nach der mittleren Reife ins Arbeitsleben gingen. Das bereichert unsere Szene mit anderen Perspektiven und stilistischen Einflüssen.

Trotzdem entspricht das Mengenverhältnis bei Weitem nicht dem der gesamten Gesellschaft.

Nun ist das für Kunst-Szenen ja keineswegs unüblich. Oper, Konzert und Theater sind auch weit entfernt davon, alle sozialen Schichten zu inkludieren, sowohl auf der Bühne als auch im Publikum. Und auch die klassische Literatur ist in ihrer sozialen Diversität wohl nicht unbedingt repräsentativ zu einkommensschwächeren Schichten.

Aber es gibt natürlich auch Kunst-Genres wie Rap oder Musik allgemein, aber auch Stand-Up Comedy, wo die sozialen Hürden niedriger zu sein scheinen.

Die soziodemographischen Zusammenhänge

Aus soziologischer Perspektive hat das mit dem von Bourdieu definierten Symbolischem Kapital zu tun.

Hier wird davon ausgegangen, dass kultureller Geschmack und damit der Besuch und die Teilnahme an kulturellen Events (wie einem Slam) nicht zufällig und individuell entstehen, sondern eben sozial geprägt sind.

Ökonomisches und kulturelles Kapital prägen, was wir mögen.

Vereinfacht gesagt: Wer mit Geld (ökonomisches Kapital) aufwächst, bekommt auch eine bessere Ausbildung (kulturelles Kapital) und wird einem „angemessenen“ Lebensstil zugeführt. Zuhause wird mehr gelesen oder ins Theater mitgenommen.

Je öfter wir diese Kunstrichtungen als Kinder wahrnehmen, desto mehr lernen wir sie schätzen. Die soziale Gruppe und das gesellschaftliche Milieu „gewöhnen“ uns an bestimmte Kulturarten.

Soziale Praktiken im Sinne des Klassenerhalts stempeln „populäre Kultur“ als „niedrig“ ab, für jene, die sich „nichts Besseres leisten können“, und definieren die Grenze der „Hochkultur“.

Das ist übrigens etwas, an deren Grenzen Poetry Slam kratzt, weil es ursprünglich am Schnittpunkt der Hochkultur Poesie und der Populärkultur Hip Hop entstand.

Nach dem Soziologen Gerhard Schulze gibt es zudem drei alltagsästhetische Schemata:

  • Das Hochkulturschema (Theater & klassische Konzerte etc.) wird v.a. von Nutznießern höherer Bildung präferiert.
  • Das Spannungsschema (Popkonzerte, Clubs, Actionerlebnisse) wird besonders von jüngeren Menschen angestrebt (was nicht dem ersten Schema widerspricht).
  • Und das Trivialschema („vergnügungslose Anspruchslosigkeit“, nennt er wirklich so) wird negativ von Bildung und Jugend beeinflusst (also umgekehrt zu den anderen Schemata).

Um das Ganze noch ein bisschen komplexer zu machen, analysiert Richard Peterson in heutiger Zeit einen Wandel, der die Breite der kulturellen Genres (ursprünglich bezogen auf Musik) betrifft.

Ihm zufolge differenzieren sich höhere Schichten inzwischen nicht mehr so sehr dadurch, welche Genres sie konsumieren, sondern wie viele.

Vereinfacht gesagt: Man zeigt seine Bildung dadurch, dass man möglichst viele Genres und ihre Eigenheiten zu schätzen weiß, während weniger gebildete Schichten sich eher auf ein Genre festlegen.

Was hat das alles mit Poetry Slam zu tun?

Poetry Slam ist ein merkwürdiger Hybrid. Es ist ein bisschen literarische Hochkultur, aber auch ein bisschen Event-Spannungsschema.

Im Rahmen eines Abends treten viele verschiedene Stilrichtungen auf. Und auch wenn es nicht viel ökonomisches Kapital braucht, um zuzuschauen oder teilzunehmen, scheint die Gewöhnung an das soziale Kapital Literatur und Poesie doch ein gewisses kulturelles Kapital vom Elternhaus vorauszusetzen. (Während z.B. Rap-Battles das ausdrücklich nicht tun.)

Das alles passt deutlich zu der Beobachtung, dass vor allem jüngere und gebildete Schichten sich von dem Format angezogen fühlen.

Aber: solche Lebensstile wandeln sich, und sind gerade mitten im Prozess.

Beim Altersspektrum merken wir bereits ein Aufbrechen: Bei Poetry Slams in Kulturhäusern, Bibliotheken und Kinos beobachten wir immer wieder, dass inzwischen auch älteres Publikum sich angesprochen fühlt. Weil sie merken, dass es gar nicht so viel „Spannungsschema-Präferenz“ erfordert.

Früher gab es Poetry Slams nur in Kneipen, wo man als Publikum oft stehen musste und die Toiletten, nun ja, reden wir nicht drüber. Das schreckte älteres Publikum ab – es war, platt gesagt „zu aufregend“ vom Setting.

Inzwischen gibt es auch die Möglichkeit, Slams in Galerien und Theatersälen zu besuchen, und das Spannungsschema ist weniger entscheidend.

Wie machen wir Poetry Slam auch für sozial benachteiligte Schichten interessant?

Wenn wir mehr soziodemographische Diversität auf der Bühne haben wollen, brauchen wir sie auch im Publikum. Und das ist die Schwierigkeit:

Denn schon der Namensbestandteil „Poetry“ klingt eher nach Hochkultur. Und schließlich hat die Szene in Deutschland lange daran gearbeitet, eben nicht mehr nur „Punk“ zu sein, sondern von der Hochkultur-Literaturszene anerkannt zu werden.

Auch die Genre-Vielfalt scheint nach Peterson auch dagegen zu sprechen, sozial benachteiligte Schichten anzusprechen.

Der Spagat, gleichzeitig von der Hochkultur anerkannt zu werden, aber trotzdem sozial „nach unten“ offen zu bleiben, ist schon vielen anderen Kulturrichtungen nicht gelungen.

Manchen jedoch schon: Hip Hop-Alben werden in Feuilletons besprochen und können gleichzeitig trotzdem „auf der Straße“ akzeptiert bleiben. Hier differenziert es sich oft nach Künstler*innen auf – manche genießen Street-Credibility, andere werden von Akademiker*innen gefeiert. In selteneren Fällen auch beides.

Für Poetry Slam gibt es also demzufolge sechs Möglichkeiten, den Spagat zu ermöglichen.

1: Diversität der Künstler*innen.

Wenn auf einem Slam sowohl (vereinfacht gesagt) Germanistik-Studierende und Straßen-Rap-Fans auftreten, findet jede*r eine Identifikationsmöglichkeit.

Und hier kommt die Huhn und Ei-Frage: Braucht es ein sozial diverseres Publikum, um Leute zum Auftreten zu motivieren, oder braucht es sozial diverse Auftretende, um Leute zum Zuschauen zu motivieren?

Und wie bringen wir Menschen dazu, die Möglichkeit der offenen Bühne besser wahrzunehmen?

2: Auf die Genre-Diversität verzichten.

Folgt man Peterson, würde ein Comedy Slam, ein Rap Slam oder auch ein Storytelling Slam das Format anderen Zuschauergruppen (und Auftretenden) öffnen.

Andererseits ist die stilistische Vielfalt des Poetry Slams ja gerade das, was uns ausmacht. Vielleicht helfen Sonder-Ausgaben und Spin-Ofs, um die Genres letztlich mehr zu vernetzen? Oder irrt Peterson sich vielleicht auch?

3: Den Punk nicht verlieren.

Best Of Poetry Slams in Opernhäusern sind schon geil, und haben durchaus ihre Berechtigung. Hier gibt es mehr Fördergelder, mehr Eintrittseinnahmen, mehr Buchverkäufe.

Aber sie weiten unser Spektrum nur in Richtung Hochkultur aus. Wenn wir die andere Seite des Spektrums nicht verlieren wollen, braucht es weiterhin die leicht anarchischen Kneipen-Slams, Jugendhäuser und Roughness.

Vielleicht können wir diese sogar durch die „Hochkultur“-Slams querfinanzieren.

4. Workshops auch in „Problemschulen“. 

Workshops an Schulen in sozial benachteiligten Vierteln sind unsere Möglichkeit, um Jugendlichen zu zeigen, wie offen wir sind.

Dafür braucht es pädagogisch erfahrene, feinfühlige Workshop-Leiter*innen, die ein bisschen mehr Streetworker sind und ein bisschen weniger Wasserglaslesungs-Autor*in.

5. Besseres Backstage-Gefühl.

Wir sehen uns zwar alle gerne als gänzlich offen und ohne Vorurteile.

Aber trotzdem kann man beobachten, wie z. B. Leute mit Ausbildungsberufen oder dem „falschen Wohnviertel“ sich beinah schon dafür rechtfertigen müssen – auf jeden Fall wird es zu oft nicht so hingenommen und akzeptiert wie das Studienfach XY oder der hippe Szene-Bezirk. Wir sind alle verantwortlich für eine Backstage-Stimmung, in der alle sich wohlfühlen.

6. In „sozial schwache“ Viertel gehen.

Viele Menschen werden von den Locations in den hippen Szenevierteln einfach nicht erreicht. Wer die Menschen der unteren Mittelschicht und darunter erreichen will, muss in diese Viertel gehen. In Jugendclubs, Bibliotheken, zu Stadtfesten.

Was ist mit den Eintrittspreisen?

Interessanterweise ist heutzutage Klasse und soziale Schicht nicht mehr zwingend mit Einkommen gleichzusetzen. Eine Arbeitskraft am Autofabrik-Fließband verdient ein Vielfaches von dem, was sich mit einem geisteswissenschaftlichen Studium verdienen lässt.

Und die meisten Slam-Eintrittspreise liegen in Bereichen, die im Vergleich zu anderen Kulturangeboten sehr niedrigschwellig sind. Wenn Ermäßigt-Tickets dann nicht nur für Studierende, sondern auch für Arbeitslose gelten, ist der Eintrittspreis vermutlich nicht der Hauptgrund für fehlende soziale Reichweite.

Migrationshintergrund und PoC – wo bleibt die Diversität im Slam?

Ähnlich wie bei der Frage sozialer Klassen gibt es auch bei Menschen mit Migrationshintergrund oder People of Color (PoC) eine fehlende Repräsentanz in der Szene.

Natürlich gibt es Auftretende aus diesem Spektrum der Diversität, und genauso natürlich sind sie auch auf allen Bühnen willkommen. Die Frage ist also, warum es verhältnismäßig so wenige gibt.

Wir haben Kevin Groen gefragt, einen Slam-Poet, der als PoC aus eigener Erfahrung sprechen kann, und behalten seine Antwort im englischsprachigen Original: (weiter in Deutsch gehts bei der > Zusammenfassung)

Kevin Groen:

To answer that question, it makes sense to understand what differentiates those events where PoC perform, from poetry slams.

PoC do perform at slams, they perform at Lesebühnen, open mics, themed events, and community events. These events have the following in common (and are different from poetry slams):

  1. The event and/or venue are often explicitly against racism, sexism and other forms of oppression.
  2. The host is often a PoC.
  3. The line up often has more than 1 PoC.
  4. There are many PoC in the audience.
  5. Many of the performances are unapologetically critical on racism and sexism.

Why are the abovementioned points important for PoC?
The answer is it creates a safe space; a safe space that poetry slams don’t necessarily provide.

The event and/or venue are often explicitly against racism, sexism and other forms of oppression.

When the event itself and/or the venue explicitly state that they don’t welcome hate speech, racism, sexism, or other forms of oppression on stage, it sets clear boundaries as to what is welcome and what is not.

It provides clarity for PoC that this is a space that is supposed to be safe for them, and they will unlikely/less likely be confronted with surprising (hurtful) comments.

The host is often a PoC.

To have a host who is a PoC is a big deal, because you already know that you’re not the only PoC on stage at the event; representation matters.

Additionally, it is more likely that a PoC host can navigate uncomfortable situations with the audience when necessary, because they are more likely to understand dynamics around oppression, and how to deal with moments of discomfort/confrontation.

The line up often has more than one PoC.

I cannot state the importance of representation enough! It is so important for PoC to not be the only PoC on stage in order to feel safer, more comfortable, relaxed, feeling seen and understood.

The poetry slam scene often fails in this as their current focus is predominantly on gender diversity (evident by the requests on internal groups for female poets), while being ignoring the fact that their line-ups are most often entirely white.

If asking for female poets is accepted, why don’t poetry slam hosts explicitly ask for PoC performers when completing their line-ups?

There are many PoC in the audience.

This is also about representation (see previous point), but there is an additional element that should be mentioned here.

If a female poet performs a piece about sexism, and half the audience is female (identifying), there is a bigger chance that the audience will be able to relate to the piece, and supports the performer.

If you perform a piece about depression, you’ll likely have people (regardless of gender) in the audience who will be able to relate to the piece, and who will support you.

When there are no PoC in the audience, and as a PoC you perform a piece about racism, no one in the audience will ever really be able to relate to it, and you aren’t sure whether the audience will support you, especially given the fact that most poetry slams are not explicitly against discrimination, and might attract people with racial biases and/or outspoken racist views.

On a separate note, I have performed many times for an all-white audience, and have often received criticism from audience members during breaks or post-show, showing that they totally do not understand racism.

Many of the performances are unapologetically critical on racism and sexism.

While it might be true that the poetry slam scene is becoming more socially involved, there are still dynamics at play that make it an uneasy experience for PoC to perform at poetry slams.

Yes, at poetry slams performers are performing serious pieces about suicide, depression, environment etc. But you’ll hardly ever see a white person on stage perform a critical piece about racism, white privilege, white supremacy, white fragility.

And if a white person does that, it’s most often done by using humour for most of the performance.

Now this is a particularly difficult issue, because most white people will probably not see a problem with that.

But it is a real problem

…because it contributes to an environment in which the only way we can address racism is through humour, and racism simply isn’t humorous. So the more the audience is exposed to humorous performance on race, the more it is taught to not get uncomfortable.

But for PoC, who often use their everyday struggle in their writing, they don’t want to be humorous, they want to simply express themselves, and that is currently not actively facilitated/promoted/encouraged in the existing culture.

When you go to events with more PoC on stage, you’ll find that they often perform unapologetically direct about issues of race and oppression, with frustration, anger, calling people out etc.

So what can the poetry slam scene do in order to attract more PoC on stage?

  1. Actively ask for PoC on your line-up. If you’re already asking for female poets, simply extend the search to PoC, LGBTQIPA+ etc.
  2. If you have 8-9 spots on your line-up, try to have 2 PoC, that way there will be guaranteed 2 PoC in the room.
  3. Go visit other events outside of your usual poetry slam community to you’ll find amazing PoC poets.
  4. Ensure that your artists cover the entire spectrum of content: from the humorous to the serious, from the pleasant to the confrontational, from love to abstract etc. Most poetry slam line-ups have a mixture of funny and serious or a mixture of those two, but hardly ever confrontational. This will contribute to indirectly educating the audience in ways where hard topics don’t have to be addressed with humour only.
  5. Organise themed poetry slams all year long. If the only time you organise a themed event is during international women’s day, or the week against racism, it’s simply not enough to encourage diversity and inclusion.
  6. Organise workshops about ‘art & activism’ and ‘how to write using your privilege’.

What does that mean?

Point #6 requires some additional critical information. I have seen already several times one of the following dynamics on stage:

  1. White person saying something like “If we all just love each other than racism/fascism will not thrive”
  2. White person saying something like “I am white and privileged”
  3. Person who never interacted with a refugee say something like “we should care about refugees” or “the refugee crisis is so bad”
  4. Male performer saying something like “Sexism is bad”
  5. The host of the poetry slam saying “Don’t be a Nazi” at the end of the show

While we should embrace people caring about issues of oppression, there are simultaneously many things wrong with the abovementioned statements. In every stated scenario, the person commenting is a person with privilege and part of the ‘oppressors’.

In none of the scenarios does the person acknowledge their own privilege or acknowledge their privilege in a way that changes the narrative for the audience.

If we take this one step deeper…

those comments can actually hurt the oppressed, and hurt the cause for equality/equity.

  1. In this statement, loving each other does not actually solve racism/fascism, and the person saying it doesn’t realise how privileged you have to be for saying something like that, nor does the person actually understand the dynamics of oppression. This statement actually hurts the cause more, than if it hadn’t been said.
  2. In this statement the performer acknowledges their privilege, but it doesn’t educate the audience in any meaningful way what that privilege is, how that privilege plays a role in their life, and what can be done with that privilege. PoC have been saying this for decades, so it’s nothing that changes the narrative in our society.
  3. This is similar to the point mentioned above.
  4. Again, women have been saying that sexism is bad for decades. A man saying exactly that does not change the narrative in our society.
  5. While the intention behind the statement is good, the impact of that statement is bad. Don’t be a Nazi is not going to help fight racism, not being a Nazi is easy (historically speaking; don’t do what the Nazis did, don’t kill people, don’t fearmonger, don’t incite hatred etc). So this statement is a well-meant, but empty, uneducational, and privileged thing to say. Instead, what would be valuable is if the host and/or poets would address existing social dynamics in a way that changes the current conversation and narrative.

For an artist to use their privilege in an effective way (with or without humour), one must acknolwedge their privilege first, explore how this privilege is benefitting them, and also explore their own guilt in one’s past behaviours.

Example:

I cannot effectively speak about sexism, if I’m not willing to acknowledge my male privilege, how I benefit from that privilege, and also explore my own guilt in having behaved in harmful ways, e.g. making sexist jokes.

A white person cannot effectively talk about racism on stage without acknowledging their own white privilege, and exploring their own guilt in how they have contributed to racism in the past.

It is a fine line between writing effectively about oppression, and doing a disservice to the cause. It would be tremendously helpful to organise workshops specifically for poets on how to write using your privilege.

So at which events do we actually find many PoC performing:

1. Poetry meets
2. Mic drop
3. Voicemail
4. One world poetry night
5. Berlin spoken word
6. On fire
7. Wicked poetry slam
8. Poetry_lab
9. The poetic groove
10. Domicilium
11. Isn’t everything poetry
12. Whisky & words

Hat Poetry Slam ein Diversitäts-Problem?

Die umfassendere Frage wäre: Hat Kunst ein Diversitäts-Problem.

Und die Antwort ist: Ja, meistens. Damit hat auch Slam eines. Aber bei aller berechtigter Kritik und allen Verbesserungsversuchen – wir haben auch verhältnismäßig höhere Ansprüche an uns als Szene.

Theater, Oper, Klassische Musik, konventioneller Literaturbetrieb, Galerien und Museen scheinen kaum weiter zu sein, als Poetry Slam. Ehrlich gesagt: eher das Gegenteil. Das wir es in 25 Jahren seit Bestehen der Slam-Szene nicht geschafft haben, alles besser zu machen als die meisten anderen etablierten Kunst-Szenen, ist sicherlich zu bedauern, aber nicht unbedingt verwunderlich.

Vielleicht sind die Schritte noch zu klein – aber immerhin fangen wir schonmal an zu gehen. Und trotzdem: Vergleichen wir uns nach oben. Denn da ist noch jede Menge Luft.

Dürft ihr da überhaupt was zu sagen, als Gruppe weißer Mittelschichts-Dudes?

Zugegeben, der Kern der Kiezpoeten ist alles andere als kulturell divers (auch wenn wir in sozialer Hinsicht durchaus ein bisschen breitere Hintergründe haben).

Zwar habe ich (Jesko) als studierter Soziologe den fachlichen Hintergrund zu sozialen Themen der Diversität, musste allerdings keineswegs die Diskriminierung erfahren, die viele andere betroffene Menschen tagtäglich erfahren müssen – und kann deshalb nicht aus eigener Erfahrung sprechen.

Deshalb hat an diesem Blogbeitrag der Slam Poet Kevin Groen mitgearbeitet. Aus eigener Erfahrung thematisiert er auch in seinen Texten die Themen Diskriminierung, white supremacy und Diversität, und hat wichtige Beiträge zu diesem Post geleistet.

Natürlich arbeiten wir als Kiezpoeten bei unseren Slams und Aufträgen auch mit Menschen verschiedenster Hintergründe zusammen, und möchten ganz besonders in unserer Gesellschaft benachteiligte Menschen dazu ermuntern und ermutigen, auf unseren Bühnen aufzutreten.

Jegliche Diskriminierung hat auf unseren Bühnen keinen Platz.

Wenn du auf der Bühne oder im Publikum irgendwann das Gefühl haben, nicht wertschätzend behandelt worden zu sein, sprich uns bitte darauf an.

Wir werden unser Bestes tun, damit du dich bei uns wohlfühlen kannst.

Nichtsdestotrotz: Natürlich lernen auch wir noch. Und vielleicht hilft uns die Beschäftigung in diesem Blogbeitrag auch, in dieser Hinsicht weiter an uns zu arbeiten.


Autoren: Kevin Groen & Jesko Habert.


Quellen:

Neuhoff, Hans (2001). »Wandlungsprozesse elitärer und populärer Geschmackskul- tur? Die Allesfresser-Hypotheseim Ländervergleich USA/Deutschland.« In: Köl- ner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 53, S. 751-772.

Otte, Gunnar (2008). »Lebensstil und Musikgeschmack.« In: Musikrezeption, Musik- distribution und Musikproduktion. Der Wandel des Wertschöpfungsnetzwerks in der Musikwirtschaft. Hg.v. Gerhard Gensch, Eva Maria Stöckler u. Peter Tschmuck. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 25-56.

Schulze, Gerhard (2005[1992]). Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Ge- genwart. Frankfurt/M: Campus (1. Neufaufl.).

Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt a. M. 1982, ISBN 3-51828-258-1 (franz. 1979).

Peterson, Richard A. / Simkus, Albert (1992). »How Musical Tastes Mark Occupational Status Groups.« In: Cultivating Differences. Symbolic Boundaries and the Making of Inequality. Chicago. Hg. v. Michéle Lamont u. Marcel Fournier. London, S. 152- 186.

Lehmann, Matthias (2018). Mit Metal zu Mozart: Präferenzen für „extreme“ Musik in Hochkulturkontexten als Ausdruck musikalischer Toleranz“