Online Poetry Slam Workshop:

Charaktere 

Um wen geht es denn eigentlich?

Befasse dich mit den Charakteren deines Texts und entwickle dadurch neue Ideen.

Jeder Text hat eine oder mehrere agierende Personen: Lyrisches Ich, Protagonistin, Hauptfigur.
In Poetry Slam Texten ist eine Ich-Perspektive üblich, dabei ist die Grenze zwischen Erzähler / Autor / Leser / Publikum sehr fließend. Das macht Poetry Slam Texte so nahbar.
Im nächsten Modul wirst du noch mehr zu Erzählweisen als Stilmittel lernen, an dieser Stelle geht es in erster Linie wieder darum, Kreativität zu wecken.

Spannende Charaktere machen deinen Text lebendig.

Beim Schreiben kannst du in andere Rollen schlüpfen. Gedanken denken, für die du sonst nicht den Mut hast, etwas Neues ausprobieren, andere Sichtweisen einnehmen.
Dein Publikum kann sich mit deinen Figuren identifizieren, sie aber auch ablehnen, sich über sie lustig machen, sie gern haben, usw.
Deswegen kann es sehr spannend sein, sich einmal genau die Frage zu stellen: Wer ist eigentlich die Hauptfigur meines Textes?

unterschiedliche Charaktere können unterschiedlich Stil und Verlauf des Textes beeinflussen
Samson und Ortwin. Zwei sehr unterschiedliche Charaktere. (c) Kiezpoeten.

Übrigens: Auch wenn du eine Geschichte aus deinem eigenen Leben und in der Ich-Perspektive schreibst, ist Lyrisches Ich nicht gleich Autor. Und im Kopf der Leserin oder des Zuhörers entwickeln sich die Charaktere deines Textes auch wieder weiter. Umso wichtiger ist es, dass du vor und während dem Schreiben eine Charakterisierung deiner Figuren im Kopf hast.

Charakterisierungen verleihen deiner Figur Konsistenz

In der nächsten Fingerübung wird es genau darum gehen, Kurzbeschreibungen von Charakteren zu erstellen.
Eine solche Übung ist nicht nur wichtig für die Qualität deines Textes, sie kann dich auch kreativ stimulieren. Vielleicht wolltest du ja immer schon einmal über eine Figur wie diese schreiben:

Karen, seit 14 Jahren 25 Jahre alt, aus Deidesheim in Rheinland-Pfalz. Sie geht schon immer wöchentlich ins gleiche Sonnenstudio, das nun schließen muss, da ein wohlhabender Hautarzt aus Stuttgart das ganze Gebäude gekauft hat.

Inge Baumann, 91 Jahre alt, aufgewachsen in einem kleinen Dorf in den Alpen, wohnt seit 3 Jahren in einem Münchener Pflegeheim. Im Zimmer nebenan wohnt Herr Huber, mit dem sie samstags gern am Singkreis teilnimmt.

Christian Lindner, 44 Jahre alt, aus Berlin. Die Arbeit als Bundesfinanzminister erlaubt ihm lediglich vier Stunden Schlaf die Nacht. Jeden Tag beginnt er mit einer Joggingrunde und anschließendem langen Blick aus dem Fenster über die Spree. In letzter Zeit spürt er zunehmend seine psychischen Grenzen und sucht nun eine Auszeit um zur Ruhe zu kommen, sich selbst und den Sinn des Lebens zu finden.

Fingerübung: Charakterisierungen

Versuch dich in der nächsten Übung selbst an solchen Charakteren. Beginne mit Namen, Alter und Geburts- oder Wohnort. Danach kannst du eine oder zwei Beschreibungen anfügen.
Was mag deine Figur? Was kann sie gut, was weniger? Was macht sie aus?
Vielleicht befindet sich die Person gerade in einer besonderen Situation, oder ist mit einem Problem konfrontiert. Dabei entsteht Spannung und der Ansatz für eine Geschichte.


Charaktere zu entwickeln ist eine Möglichkeit, neue Perspektiven einzunehmen. Vielleicht hast du nach dieser Übung auch Lust einen Text über eine deiner Figuren zu schreiben?