Online Poetry Slam Workshop:

Automatisches Schreiben

Irgendwie musst du anfangen, das ist klar. Dafür ist es wichtig, die Hemmschwelle zu überwinden, die zwischen dir und einem leeren Blatt steht. Gedanken in Buchstaben zu bannen sollte dir keine Angst machen. Denn dann kannst du damit beginnen, das Geschriebene künstlerisch zu formen.

Auch erfahrene Autor*innen stehen häufig vor dem Problem nicht zu wissen, wie sie einen neuen Text anfangen sollen. Oft gibt es bereits eine grobe Idee, worum es gehen soll, oder ein Erlebnis war so eindrucksvoll, dass du dir sagst, darüber will ich etwas schreiben, aber wenn du dann vor dem leeren Blatt sitzt hast du keinen Schimmer, was dein erstes Wort sein soll. Um mit dieser Blockade umzugehen, gibt es eine einfach Übung.

Ortwin Bader-Iskraut beim Poetry Slam. (c) Samson Völk.

Hier geht es nicht um literarische Qualität, nicht um geniale Semantik oder um komplexe Reimstrukturen, hier geht es nur darum, deinen inneren Kritiker abzuschalten und einfach drauf los zu schreiben.

Wenn du auf “Los” klickst startet die Uhr, dann hast du vier Minuten Zeit, um 1000 Zeichen zu schreiben. Tippe einfach, was dir in den Kopf kommt. Es muss keinen Sinn ergeben, weder auf Grammatik noch auf Orthographie wird hier Wert gelegt. Nur darauf, dass du vier Minuten lang nicht aufhörst zu tippen.

Diese Technik wird „Écriture automatique“ (dt. „automatisches Schreiben“) genannt und wurde vom surrealistischen Dichter André Breton in die Literatur gebracht. Ursprünglich eine Methode aus der Psychologie um das Unbewusste ins Bewusstsein zu holen, adaptierte Breton die Technik um 1920 für seine surrealistische Dichtung und veröffentlichte sogar ein ganzes Buch, das so entstanden war.